(20. März 2013)

Am Grunde der Seele wandelt die eine,
Sie sagt einmal Ja, zugleich Nein. Sie bleibt vag.
Mühsam zu gehn ists über allsolche Steine,
Tag und Nacht, Nacht und Tag; es ist eine Plag.

Dann kommt das Wasser, spült mit großer Fontäne
Hinweg alle Steine, das Wandeln macht Halt.
Die Räume sind frei nun und die Souveräne,
Denn sie wissen endlich: Die Steine sind kalt.

Am Grunde des Herzens wandelt die eine,
Sie sagt einmal Ja, zugleich Nein. Sie bleibt vag.
Mühsam zu gehn ists über allsolche Steine,
Tag und Nacht, Nacht und Tag; es ist eine Plag.

(nach Bertolt Brecht: Das Lied von der Moldau. In: B.B.: Die Gedichte. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1981, S. 1218)

Dieser Beitrag wurde unter Gedichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.