Delirium

(Dieser Text wurde am 29. 3. 2011 beim charmanten Poetry Slam »Reim in Flammen« im Club Bahnhof Ehrenfeld in Köln vorgetragen. Es gibt auch ein Video davon.)

Hast du etwas Zeit für mich,
Auf meinem Weg zum Horizont?
Fliegst Du mit mir um die Welt,
Und vielleicht auch bis zum Mond?
Ich geh einen Schritt nach vorn,
Sehe dabei nicht zurück,
Du fliegst um die halbe Welt
Auf der Suche nach dem Glück.

Da oben, direkt drin im Himmel,
Alles in meinem Kopf ist blau,
Weil die Nächte doch so schön sind,
Die Fahrbahn ist ein Band so grau.
Du löffelst langsam mein Gehirn,
Die Stirn wird kleiner, welche Pein.
Bis zum Morgen dieses Lied hier,
Du willst ein Lassie Singer sein.

Wolken ziehen jetzt vorbei,
Magnetisieren – dunkel, hell –
Den Himmel über mir. Unmöglich
Langsam sind sie und so schnell.
Du willst liegen, auf mir liegen,
Bist dafür jedoch zu leicht.
Besser als liegen liegt dir Schmiegen
An meinen Body – unerreicht.

Wenn vor Fliegen Fliegen fliegen,
Fliegen Fliegen Fliegen nach.
Und wenn die Ziegen Ziegen kriegen,
Verschweigen sie ihr Ungemach.
Du gehst die Reh-Gehege-Wege
Schritt für Schritt und himmelwärts.
Die Rehe pflegen ihre Wege
Mit Freude, denn es ist jetzt März.

Dein Glück verbreitet sich in Wellen.
Ich nehm dich mit im Transform Car
An ganz wunderbare Stellen
zu Luftballonen, wunderbar.
In Nachtclubs trinkst du immer Sekt
Hast gleich die Männer abgecheckt
Den ganzen Raum mit Sonne geflutet
Und allen zuviel zugemutet:

Denn Freunde der Realität sind sie
Mit ihren kleinen geilen Firmen,
Herzscheiße tun sie in die Therapie,
Ihr Geld, das tut die Bank beschirmen.
Ich will den Kapitalismus lieben,
Aber ich schaff es einfach nicht,
Denn ich bin leider nicht durchtrieben,
Und schreib ein ehrliches Gedicht

Am Strand. Dort spülen braune Burschen
Auf ihren selbstgemachten folkloristischen Instrumenten.
Es ist spät, vom Grandhotel her weht der Nachtwind hin und wieder
Geschmeidige Körper im Mondlicht herüber.
Weiße Jacketts lachen, schöne Frauen lassen Gläser klingen und sie singen,
Die Pfeife in der Hand, mit sicherem Gang, sie singen wahre Gedichte
Und noch einige Takte mehr daher, etwas verquer. Dazu spült das Trio de Janeiro und ich wache auf:
Das alles, meine Güte, is verdamp lang her.

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